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Januar 24, 2016

SUNDAY SOULTALK #3: Über die Angst im Alltag.



Sunday Soultalk #3.

Terror in Paris, Anschläge in Instanbul, schreckliche Belästigungen und Missbrauchsfälle in Köln und in weiteren Teilen in Deutschland, Vergewaltigungen und schließlich auch noch Terrorwarnungen in München. An Silvester sitze ich mit meiner besten Freundin um 11h nachts in der Ubahn und plötzlich kommt die Durchsage, dass der komplette Hauptbahnhof gesperrt ist. Wir machen uns noch darüber lustig, dass bestimmt irgendein Vollhorst einen Böller auf die Gleise geschmissen hat. 5 Minuten später eine SMS von Mama: "Fahrt ja nicht mit den Öffentlichen, geh auf keine großen Massenveranstaltungen und fahr ja mit dem Taxi nach Hause!" Terrorwarnungen am Münchner Hauptbahnhof und an weiteren Plätzen mit Massenveranstaltungen. Thema des Abends: ein möglicher Anschlag in unserer Stadt. Und mich nervt es. 
Ich will den Abend genießen und keine Angst haben. Ich will meine Liebsten um mich haben, das neue Jahr reinfeiern und keine ständige Angst mitnehmen. Doch sie ist irgendwie immer da. Irgendwo im Hinterkopf ist die Stimme, die trotzdem immer sagt: "Was wäre wenn?" Wenn plötzlich jemand in das schöne Restaurant an der Münchner Freiheit eingelaufen wäre, genau so wie es in Paris der Fall war. Wie würde das alles ausgehen? Ich versuche zwar die Angst zu unterdrücken und sie nicht zu spüren, muss aber zugeben: Die Angst und der Terror ist näher an uns dran als es je der Fall war.
Silvesternacht in Köln. Wir in München oder in allen anderen Städten haben die Panik und die Angst der Menschen erst am nächsten Tag mitbekommen. Wir waren nicht dabei, wie in Köln haufenweise Frauen angefasst, belästigt und sogar vergewaltigt wurden. Wir haben im Club getanzt und das neue Jahr gefeiert. Die Angst? Die haben wir mit einem Glas Sekt, gute Musik und wunderschönen Silvester Raketen erstmal hinter uns gelassen. Und am nächsten Tag dann erneut: Panik. 
Vergewaltigung im Schwimmbad. Bei den mutmaßlichen Tätern soll es sich um Flüchtlinge gehandelt haben. Genau wie in Köln. Flüchtlinge, die anscheinend ihre Hände nicht bei sich halten können. Überall wird einem nur noch geraten: "Pass auf dich auf, halte dich nicht in Gegenden auf, wo viele Flüchtlinge vor Ort sind!" Und ich frage mich - liegen diese Probleme wirklich alle an den Flüchtlingen? Kann ich plötzliche nicht mehr aus dem Haus gehen, aus Angst von Flüchtlingen belästigt und verfolgt zu werden? Muss ich mir jetzt wirklich ein Pfefferspray besorgen, um heil nach Hause zu kommen? Natürlich ist die Tatsache problematisch und kritisch zu beachten, dass viele Flüchtlinge männlich sind und ihre Frauen und Kinder zurück lassen mussten. 
Mag sein, dass auch diese Menschen Bedürfnisse haben und deshalb die Frauen in unserem Land mit anderen Augen sehen. Mag sein, dass auch Flüchtlinge in den Vorfällen verwickelt waren. Mag sein. Trotzdem bin ich der Meinung, dass man nicht jedes Problem auf diese Menschen schieben kann. Diese Menschen, die aus dem eigenen Land flüchten mussten, aus genau der Angst vor Terror, die bei uns nur im Hinterkopf vorhanden ist und wegen der die Flüchtlinge ihr komplettes Leben hinter sich lassen mussten. Ich bin zwar auch der Meinung, dass Integration und Regeln aus dem Land, in welchem die Flüchtlinge nun leben, absolut wichtig sind. Trotzdem sollte man nicht alle Probleme, die in unserem Land herrschen, auf diese Menschen festgesetzt werden. Vergewaltigungen und Belästigungen gab es hier schon immer, die wurden allerdings oftmals einfach unter den Teppich gekehrt und übersehen. Vorsicht und offene Augen sind immer gut und man sollte auch nicht zu leichtsinnig abends alleine rumlaufen. Vor allem als Frau. Das war aber schon immer der Fall und nicht erst seit der Flüchtlingskrise in Europa. Ich werde trotzdem noch aus dem Haus gehen und mich amüsieren, die Angst sollte als Schutz immer im Hinterkopf bleiben, doch ich will gegen die Angst ankämpfen, sie niemanden zeigen und mich dem Terror und den Problemen auf der Welt stellen. Nur so funktionieren wir alle zusammen, können gute Gedanken und Gefühle an die Außenwelt bringen und ein friedliches Zusammenleben ermöglichen. #spreadsomelove